Die von den Amazon Studios produzierte Coming-of-Age-Komödie "Red Oaks" besticht mit viel Witz und 80er-Jahre-Charme - hat aber auch eine große Schwäche.
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New Jersey im Sommer 1985, die Menschen tragen seltsame Kleidung und genießen das Leben. Vor allem diejenigen, die es sich leisten können. Alle anderen nutzen die Sommerferien, um sich etwas Geld für das Studium dazu zu verdienen. So auch David, der an der renommierten New York University studiert, sich in Big Apple aber keine Wohnung leisten kann und deswegen während des Semesters pendelt. Das will er ändern und heuert deswegen in den Sommerferien als Tennistrainer in einem Country Club für gut Betuchte an - dem Red Oaks.
Eigentlich ist David ein Freigeist, interessiert sich für Kunst und Film - so sehr, dass er im nächsten Semester Filmwissenschaften als Studienschwerpunkt wählen möchte. Doch sein Vater Sam macht diesen Plänen den Garaus. Der will nämlich, dass David irgendwann seine Buchhalter-Kanzlei übernimmt und drängt ihn deswegen dazu, sich auf Rechnungswesen zu spezialisieren.
David - ein Junge zwischen Anspruch des Vaters und eigenen Träumen
Obwohl Sam seinem Sohn während eines Herzinfarktes (den er überlebt) gesteht, dass er weder seine Frau Judy noch seinen Job je wirklich geliebt hat, hält er ihn auch in Zukunft dazu an, Buchhalter zu werden - und seine Freundin Karen zu heiraten. So wirklich sicher ist sich David aber nicht, ob sie die Richtige ist - viel weniger äußerlich, als intellektuell.
Denn eigentlich spielt Karen, was das Aussehen betrifft, nicht in Davids Liga. Sie ist groß, blond und begehrt. David hingegen ist eher klein gebaut und sieht für sein Alter (das wird nie genau genannt, aber er dürfte um die 20 sein) relativ jugendlich aus.
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Eigentlich passen David und Karen nicht zusammen. Und doch
planen sie eine gemeinsame Zukunft.
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Auch Karen studiert und arbeitet in den Sommerferien als Aerobic-Trainerin im "Red Oaks". Sie hat genaue Pläne, wie ihr Leben nach dem Studium aussehen soll: wie das der Reichen und Schönen im Country Club. Diese Dekadenz ist David zuwider, von Oberflächlichkeit hält er nicht viel.
Und doch gerät er relativ schnell mehr oder weniger ungewollt in die Kreise der finanziellen Oberschicht. Die Tennis-Clubmeisterschaft im Red Oaks steht bevor und David wird vom Clubbesitzer Getty als Coach angeheuert, was dem eigentlichen Chef-Coach Nash zunächst überhaupt nicht gefällt.
Im Zuge der Vorbereitungen zum Turnier kommt David mit Gettys Tochter Skye in Kontakt, die ihm ordentlich den Kopf verdreht, weil sie nicht nur gut aussieht, sondern sich wie er auch für Kunst interessiert.
So steht David im Verlauf der Serie nicht nur zwischen seinen Ansprüchen und denen seines Vaters, sondern auch zwischen zwei Frauen - Karen und Skye.
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Mit ihrer frechen und selbstbewussten Art verdreht Skye
David ziemlich den Kopf.
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Und dann gibt's da noch Wheeler, Davids Kumpel. Er ist der typische Nerd: Lockenkopf, etwas pummelig, schüchtern, aber intelligent. Er arbeitet als Portier im Country Club und kifft (wie eigentlich fast alle Studenten in der Serie - außer David) regelmäßig. Wheeler hat ein Auge auf Misty geworfen, die aber nicht nur einen festen Freund (ein oberflächlicher Macho) hat, sondern auch optisch für ihn nicht zu erreichen ist - eigentlich. Im Verlauf der Handlung unternimmt er alles, um sie zu erobern und sorgt dabei für einige Lacher.
Die Charaktere: Schräge Vögel, aber tiefgründig
David: Der Hauptdarsteller ist noch der Normalste im Red Oaks Club. Er arbeitet nur dort, um sich für das Studium etwas dazu zu verdienen. Im Gegensatz zu seinen Freunden schwört er den Drogen gänzlich ab. Oft wirkt er unbeholfen und tollpatschig, nimmt aber im Verlauf der Handlung eine charakterliche Entwicklung.
Gespielt wird David vom bisher relativ unbekannten Schauspieler Craig Roberts, der in Filmen wie 22 Jump Street oder Neighbors kleine Nebenrollen besetzte.
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David (Craig Roberts) steht in mehrerlei Hinsicht zwischen den
Fronten und tritt dabei des Öfteren in Fettnäppchen.
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Davids Eltern Sam und Judy: Als Sam wegen seiner ungesunden Lebensweise einen Herzinfarkt erleidet, offenbart er David, dass er und seine Frau Judy sich nie geliebt hätten. Außerdem glaubt Sam, dass Judy bisexuell sei. Für ihre sexuelle Ambivalenz gibt es im Verlauf der Serie durchaus Anhaltspunkte.
Seinen ungesunden Lebensstil verteidigt Sam - wie alle seine Taten - damit, dass er im Korea-Krieg gekämpft hat. Um ihre Ehe vielleicht doch noch zu retten, versuchen beide eine Therapie, bei der sie auch zu unkonventiellen Maßnahmen (Drogen) motiviert werden.
Die Rolle der Judy wurde von Jennifer Grey (bekannt aus Dirty Dancing) besetzt. Auch Sam dürfte einigen Serien-Fans bekannt vorkommen. Er wird gespielt von Scrubs-Hypochonder Richard Kind.
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In Sams (Richard Kind) und Judys (Jennifer Grey) Ehe läuft es
nicht mehr. Eigentlich ist es noch nie wirklich gelaufen.
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Clubbesitzer Getty: Er wird anfangs als überhebliches Alphatier inszeniert. Das Alphatier bleibt er auch im weiteren Verlauf der Serie, seine Überheblichkeit legt er aber zusehends ab. Nach Anfangsschwierigkeiten hegt er immer mehr Sympathien für David und engagiert ihn als Trainer für Clubmeisterschaft. Getty ist ein Geschäftsmann, der gerne an der Börse zockt, was ihm am Ende zum Verhängnis wird.
Der Schauspieler Paul Reiser mimt Getty. Er war bereits in den 80er-Jahren in Beverly Hills Cop zu sehen und ist zudem ein bekannter amerikanischer Comedian.
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Getty (Paul Reiser) gehört der Red Oaks Club.
Copyright: Amazon StudiosZunächst kann er David nicht leiden, das ändert sich im Verlauf der Serie aber. |
Chef-Tenniscoach Nash: Er ist der eigentliche Star der Serie, zumindest in komödiantischer Hinsicht. Aus seinem großen Tennis-Talent hat Nash nie etwas gemacht. Schuld daran ist sein Hang zum Lotterleben, der ihm auch bei seinem Job als Trainer nicht selten im Weg steht. Statt sich auf den gelben Filzball zu konzentrieren, wirft er eher Auge auf seine Schülerinnen. Als ihm Getty vom Aktienboom erzählt, steigt er nebenbei ins Börsengeschäft ein. Nash ist charmant und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.
Der bislang nur Insidern bekannte Schauspieler Ennis Esmer übertrifft sich in seiner Rolle als Tenniscoach Nash selbst. Esmer ist gebürtiger Türke.
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Sein Geld verdient Nash (Ennis Esmer) als Tennis-Trainer und
Copyright: Amazon Studiosdoch konzentriert er sich lieber auf das Leben abseits des Platzes. |
Wheeler: Er ist alles andere als ein Frauenheld und dennoch weiß er, wie man Frauen beeindruckt. Das stellt er bei seinen Versuchen unter Beweis, die schöne Bademeisterin Misty für sich zu gewinnen. Um sie auch finanziell zu beeindrucken, baut er sich neben seiner Arbeit als Portier ein zweites Standbein auf: Wheeler wird zum Kokaindealer der Mitglieder des Red Oaks Club und verdient sich damit im wahrsten Wortsinne ein goldenes Näschen.
Hangover-Fans dürfte Schauspieler Oliver Cooper bereits aus einem Kurzauftritt im letzten Teil der Trilogie bekannt sein. Als Wheeler spielt er den am detailliertesten gezeichneten Charakter in "Red Oaks".
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Er ist zwar kein Frauenheld, aber ein Charmeur ist
Wheeler (Oliver Cooper) trotzdem. Zu Drogen sagt er nie Nein.
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Fazit: Manchmal überdreht, aber immer witzig
Von der äußeren Erscheinung wirkt "Red Oaks" wie ein College-Trash-Film. Die Macher (um Ocean's-Eleven-Regisseur Steven Sonderbergh) spielen mit den Klischees der 80er-Jahre: Lustige Klamotten, komische Frisuren und Drogenkonsum. Oft fragt man sich, ob "Red Oaks" nicht eine Parodie auf das Leben in den 80ern sein soll. Bei näherer Betrachtung ist die Serie aber viel mehr als das.
Denn für eine Parodie ist die Serie an einigen Stellen viel zu ernsthaft und tiefgreifend. Wie stark sich manche Charaktere (vor allem David) im Verlauf der zehn kurzen Folgen entwickeln, ist beeindruckend. Die Dialoge sind nicht selten rührend.
Aber natürlich lebt die Serie auch von ihrem Klamauk, für den vor allem Tennis-Coach Nash immer wieder sorgt. Auch dem liebenswerten Nerd Wheeler sitzt der Schalk im Nacken. Die Komik entsteht aber auch durch einige Nebencharaktere, wie den schnauzbärtigen und überheblichen Fotografen Barry, der Davids Freundin Karen umwirbt.
"Red Oaks" bewegt sich in Sachen Komik oft an der Grenze des guten Geschmacks und mag daher nicht Jedermanns Sache sein. So wird David in einer Folge damit beauftragt einen Privatporno für ein Ärztepaar aus dem Club zu drehen. In einer weiteren Episode tauschen David und sein Vater Sam unfreiwillig ihre Körper, nachdem sie sich mit einem japanischen Schnaps betrinken - das ist zwar lustig, passt aber insgesamt nicht zur Serie.
Political incorrectness wird in der Serie groß geschrieben und genau das macht "Red Oaks" so erfrischend. "Eine amerikanische Drei, ist eine jüdische Fünf", kritisiert Sam zum Beispiel die Noten seines Sohnes David. Sprüche dieser Kajüte gibt es einige in der Serie.
Gute Dialoge, tiefgründige Charaktere, gute Handlung - "Red Oaks" hat alles, was eine Comedy-Serie braucht. Eine große Schwäche hat sie aber dennoch - die fällt aber wahrscheinlich nur Zuschauern auf, die etwas vom Tennissport verstehen: Die Schauspieler (auch das vermeintliche Tennistalent David) spielen miserables Tennis. Beinarbeit, Abstand zum Ball und Technik: Note 6!
Die Serie an sich kommt da bei der Benotung deutlich besser weg: 2+








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