"The Man in the High Castle" ist eine beeindruckende und bedrückende Serie zugleich. Die Amazon-Originals-Serie zeigt eine Welt, wie sie für uns unvorstellbar erscheint. Basierend auf dem gleichnamigen Roman (im Deutschen: "Das Orakel vom Berge") von Autor Philip K. Dick beschäftigt sich das Werk mit einem grausigen Alternativszenario: Was wäre, wenn Hitler-Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten?
Die Handlung: Hochgradig spannend, aber undurchsichtig
Wir schreiben das Jahr 1962. Nazi-Deutschland und Japan haben als Siegermächte des Zweiten Weltkrieges die USA in zwei Besatzungszonen aufgeteilt: Die Ostküste gehört dem Großdeutschen Reich an, die Westküste ist Teil des Japanischen Reiches. Getrennt sind die beiden Territorien durch eine neutrale Zone im Landesinnern. Nazi-Deutschland wird immer noch von Adolf Hitler geführt, der mittlerweile ergraut und an Parkinson erkrankt ist.
Mittlerweile 15 Jahre ist die Aufteilung der USA unter den Achsenmächten her - der Krieg endete in der Alternativwelt erst 1947. In beiden Regimen herrschen grausame Zustände, gegen Querdenker wird rigoros vorgegangen. Dennoch hat sich im Laufe der Zeit im Untergrund eine Bewegung des Widerstandes formiert - in beiden Territorien.
Die Untergrundorganisation entwickelt sich zunehmend zum Staatsfeind Nummer eins im Lager beider Großmächte. Grund dafür ist in erster Linie ein Film mit brisantem Inhalt, der sich im Besitz der Widerständler befindet. Er zeigt einen alten Wochenschau-Ausschnitt, in dem davon berichtet wird, dass nicht das Deutsche Reich und Japan den Krieg gewonnen hätten, sondern die Alliierten - ein Beweis dafür, dass das gesamte aktuell herrschende Weltbild auf einer großen Lüge basiert. Für beide Großmächte bedeutet die Existenz des Filmes die Gefährdung der nationalen Sicherheit. Dementsprechend unternehmen die Behörden alles, um diesen Film und deren Besitzer auszulöschen.
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Die Ostküste der USA ist Teil des Großdeutschen Reiches - unverkennbar
zeigt das auch die Landesflagge.
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Mehr oder weniger unfreiwillig wird Juliana Crane (Alexa Davalos) Teil des oppositionellen Untergrunds. Durch den Tod ihrer Schwester Trudy, die im Widerstand engagiert war, gerät Juliana in den Besitz der Filmrolle. Sie erhält den Auftrag, den Film von San Francisco (Japanisches Reich) aus in die neutrale Zone nach Canon City zu schaffen, wo "The Man in the High Castle" - der Kopf des Widerstandes - sitzt.
Was sie nicht weiß: Bereits zu Beginn ihrer Reise haben beide Besatzungsmächte Wind von ihrer Mission bekommen. Es kommt zu Verhaftungen und Ermordungen in ihrem Familienkreis.
In der neutralen Zone trifft Juliana auf Joe Blake (Luke Kleintank), der sich als ihr Kontaktmann ausgibt, in Wirklichkeit aber ein Nazi-Agent ist. Im Laufe der Handlung wird deutlich, dass er diese Rolle aber nicht aus voller Überzeugung ausführt, sondern nur um seinen Vater stolz zu machen, wie er selbst gesteht. Obwohl er Juliana eigentlich ausliefern soll und dazu auch mehrmals die Gelegenheit hat, tut er dies nicht, weil er Sympathien für sie hegt. Joe gerät immer mehr unter Druck, weil er einerseits Juliana weiter beschützen will, andererseits aber auch die Befehle der Nazis ausführen muss, um nicht selbst an den Pranger zu geraten.
So entspinnt sich im Verlaufe der Serie ein spannendes, aber sehr kompliziertes Konstrukt aus Intrigen und Wirrungen, die sich auch nach Durchsehen der kompletten ersten Staffel nicht gänzlich auflösen.
Überragende filmische Umsetzung, schwache Synchronisation
Wie die Macher der Serie, Ridley Scott und Frank Spotnitz, eine alternative Welt aufbauen ist einfach nur gigantisch. Bis ins letzte Detail sind die Schauplätze des Werkes alternativ-historischen Gegebenheiten angepasst. Sei es der Times Square im großdeutschen New York oder San Francisco im japanischen Reich, jede Ecke trägt den Charakter der inszenierten Welt.
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New York im Großdeutschen Reich: Wie in der realen Welt Reklame für
Technik und Lebensmittel prangt, dominiert in "The Man in the High Castle"
das Hakenkreuz.
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Ein Problem gibt es bei "The Man in the High Castle" aber dann doch - das besteht aber nur in der deutschen Fassung: Gerade am Anfang der Serie ist die Synchronisation ziemlich schwach, vor allem die der Juliana. Auch die Übersetzung von "The Man in the High Castle" klingt im Deutschen etwas holprig: "Der Mann im hohen Schloss". Besser und wohlklingender wäre es gewesen, sich an die Romanvorlage zu halten, in der vom "Orakel vom Berge" die Rede ist.
Deswegen der Tipp: Die insgesamt zehn Folgen der Amazon-Originals-Serie im Originalton ansehen, dann werdet ihr eure wahre Freude an "The Man in the High Castle" haben - vorausgesetzt ihr habt starke Nerven (Mord und Totschlag sind hier an der Tagesordnung) und ein Faible für alternativ-historische Meisterwerke.
Die beste Nachricht kommt zum Schluss: Amazon hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass es eine zweite Staffel von "The Man in the High Castle" geben wird. Primeflix freut sich schon drauf!




Ich hatte mir sehr viel aufgrund der lobeshymnen von dieser Serie erwartet. Leider muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin.
AntwortenLöschenThe orange is the new Black War Do gesehen für mich das genaue Gegenteil : nix erwartet und War voll begeistert und warte voller Erwartungen auf die nächste Staffel
Zugegeben hat die Serie tatsächlich ein paar Schwächen, manchmal von der Story her etwas verwirrend. Aber filmisch ist sie einfach überragend.
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